{"data":[{"image":"lesarten\/LesartenGeneral.jpg","title":"Koranlesarten","subtitle":"Die verschiedenen Lesarten des Korantextes im Spiegel der islamischen Tradition","paragraphs":["Bereits im 8. Jh. erw\u00e4hnen arabische Sprachwissenschaft und Koranexegese verschiedene Koranlesarten. Unumstritten war stets, dass der Text, dessen Rezitation im islamischen Pflichtgebet vorgeschrieben ist, den Regeln der arabischen Sprache folgen muss. Grammatik einerseits und Sprachgebrauch bei den arabischen St\u00e4mmen andererseits sind daher entscheidende Kriterien f\u00fcr die Akzeptabilit\u00e4t einer Lesart. Auch die \u00fcberlieferte schriftliche Form \u2013 ein Konsonantentext mit mehrdeutigen Buchstaben \u2013, die verschiedenen Textvarianten Platz bot, scheint seit den Anf\u00e4ngen von Bedeutung gewesen zu sein: F\u00fcr viele Gelehrte war es wichtig, dass eine Lesart mit dem undifferenzierten, schriftlich fixierten Text in Einklang stand. In vielen fr\u00fchen Quellen (8. und 9. Jh.) ist die Nennung von Autorit\u00e4ten und \u00dcberlieferungsketten, wie sie im 10. Jh. \u00fcblich wird, eher die Ausnahme. Die Lesarten-Datenbank gibt einen tabellarischen, quellenspezifischen und chronologischen \u00dcberblick \u00fcber die Lesarten und erm\u00f6glicht damit einen Einblick in die fr\u00fche Geschichte des Korantextes. Die vorliegende Datenbank wurde ma\u00dfgeblich in Zusammenarbeit mit Suad Hod\u017ei\u0107, Edin Mahmutovi\u0107, Jens Sauer und Firas Krimsti aufgebaut, Andreas Ismail Mohr hat dabei zu den Namen und Namensformen der Leser und \u00dcberlieferer beigetragen.Die Lesartendatenbank setzt den Schwerpunkt auf die Auswertung von Werken des 8. und 9. Jahrhunderts: Die arabische Grammatik des S\u012bbawaih, das Lexikon des al-\u1e2aal\u012bl b. A\u1e25mad, fr\u00fche Koranexegese (Muq\u0101til, Mu\u01e7\u0101hid, Sufy\u0101n a\u1e6f-\u1e6eaur\u012b, Ya\u1e25y\u0101 b. Sall\u0101m, H\u016bd b. Mu\u1e25kam\/Mu\u1e25akkam, Tafs\u012br al-miqb\u0101s u.a.), erste grammatisch-philologische Kommentare wie das Ma\u02bf\u0101n\u012b al-qur\u02be\u0101n des al-Farr\u0101\u02be oder Ma\u01e7\u0101z al-qur\u02be\u0101n des Ab\u016b \u02bfUbaida. Au\u00dferdem wurden das Mu\u1e25tasab des Ibn \u01e6inn\u012b und ein Kapitel aus dem Werk Fa\u1e0d\u0101\u02beil al-qur\u02be\u0101n des Ab\u016b \u02bfUbaid ausgewertet. Gegenw\u00e4rtig wird das Lesartenkompendium des Ibn \u1e2a\u0101lawaih in die Datenbank aufgenommen. Der Kanon der Sieben Lesarten, den der Bagdader Gelehrte Ibn Mu\u01e7\u0101hid gegen den Widerstand mancher Gelehrter durchsetzte, ist in der Datenbank in der vereinfachten Form des andalusischen Gelehrten ad-D\u0101n\u012b aufgenommen. Die Sieben kanonischen Lesarten sind in der online-Publikation in einem blau markierten Textblock hervorgehoben dargestellt. Lesarteneintr\u00e4ge der vorliegenden Datenbank sind zu den Koranversen abrufbar, oder sind \u00fcber die Suchfunktion des Lesartenmoduls abrufbar. In der folgenden Liste ist die bislang ausgewertete Quellenliteratur nach Gattungen geordnet erfasst."],"links":[{"url":"\/de\/verse-navigator\/sura\/1\/verse\/4\/variants","text":"Lesarten zu Sure 1, Vers 4"},{"url":"\/de\/verse-navigator\/sura\/19\/verse\/19\/variants","text":"Lesarten zu Sure 19, Vers 19"},{"url":"\/de\/verse-navigator\/sura\/20\/verse\/1\/variants","text":"Lesarten zu Sure 20, Vers 1"},{"url":"\/de\/verse-navigator\/sura\/20\/verse\/63\/variants","text":"Lesarten zu Sure 20, Vers 63"},{"url":"\/de\/verse-navigator\/sura\/112\/verse\/1\/variants","text":"Lesarten zu Sure 112, Vers 1"}]},{"image":"lesarten\/LesartenFrueheExegese.jpg","title":"Fr\u00fche Koranexegese","paragraphs":["Fast alle fr\u00fchen Werke der Koranexegese (tafs\u012br) erw\u00e4hnen verschiedene Lesarten und Varianten des Textes in den Kodizes der Prophetengef\u00e4hrten. Der fr\u00fcheste erhaltene Korankommentar des Muq\u0101til b. Sulaim\u0101n (gest. 767) erw\u00e4hnt z.B. an ca. 30 Stellen explizit verschiedene Lesarten. Andere fr\u00fche Kommentare wie die von Mu\u01e7\u0101hid b. \u01e6abr (gest. 722), Sufy\u0101n a\u1e6f-\u1e6eaur\u012b (gest. 778), Ya\u1e25y\u0101 b. Sall\u0101m (gest. 815), \u2018Abdarrazz\u0101q (gest. 827), al-Kalb\u012b (gest. 763) oder H\u016bd b. Mu\u1e25kam\/Mu\u1e25akkam  (gest. 900) enthalten ebenfalls Angaben zu verschiedenen Lesarten des Textes. Bei einigen der fr\u00fchen Quellen, wie dem tafs\u012br des al-Kalb\u012b bleibt umstritten, ob sie authentisch \u00fcberliefert sind oder ob es sich um sp\u00e4tere Zusammenstellungen handelt. Selbst wenn sie sp\u00e4tere Zusammenstellungen sind, k\u00f6nnen jedoch die darin enthaltenen Lesarten echt sein."],"bullets":["Lesarten in der Koranexegese des 8. und 9. Jh.","S\u00e4mtliche explizite Lesarten aus dem Korankommentar des Muq\u0101til b. Sulaim\u0101n (gest. 767)","Textvarianten in den Kodizes von Prophetengef\u00e4hrten"]},{"title":"Sprachwissenschaft und Grammatik","paragraphs":["Das erste erhaltene Lexikon der arabischen Sprache \u2013 das Kit\u0101b al-\u02bfain \u2013 des al-\u1e2aal\u012bl b. A\u1e25mad (gest. 791) und die erste arabische Grammatik \u2013 \u201edas Buch\u201c (al-Kit\u0101b) \u2013 des S\u012bbawaih (gest. 796) enthalten zahlreiche Koranzitate und erw\u00e4hnen verschiedene Lesarten. Diese werden als Lesungen, die auf Prophetengef\u00e4hrten und andere Autorit\u00e4ten zur\u00fcckgehen, viel h\u00e4ufiger jedoch als regionale Varianten (z.B. als in Basra, Kufa oder Medina \u00fcbliche Lesart) oder als grammatisch m\u00f6gliche und damit akzeptable Lesungen angegeben."],"bullets":["Lesarten in der \u00e4ltesten Grammatik des Arabischen (Sibawaihis Kit\u0101b)","Lesarten im \u00e4ltesten Lexikon des Arabischen (Kit\u0101b al-\u02bfain)","Angaben zu grammatisch richtigen oder sprachlich unakzeptablen Lesarten","Lesarten des Korans bei den arabischen St\u00e4mmen"]},{"image":"lesarten\/LesartenSprachwissExegese.jpg","title":"Sprachwissenschaftliche Koranexegese","paragraphs":["Aufbauend auf arabischer Lexikographie und Grammatik entstand im 9. Jahrhundert eine rhetorisch-sprachwissenschaftliche Korananalyse. Neben der arabischen Grammatik, die manchmal mehrere, gleicherma\u00dfen sprachlich korrekte Lesungen erlaubt, spielt der Sprachgebrauch der arabischen St\u00e4mme ein Kriterium zur Bestimmung einer oder mehrerer \u201erichtiger\u201c Lesarten eine Rolle. Werke \u00fcber die Bedeutungen des Korans von al-Farr\u0101\u02be (gest. 822), Ab\u016b \u02bfUbaida (gest. 825) und al-A\u1e2bfa\u0161 al-Ausa\u1e6d (gest. 830) werden systematisch ausgewertet, gelegentlich auch die sp\u00e4teren grammatischen Koranerkl\u00e4rungen von az-Za\u01e7\u01e7\u0101\u01e7 (gest. 923) und an-Na\u1e25\u1e25\u0101s (gest. 950). Das Werk al-Ma\u02bf\u0101n\u012b des al-Farr\u0101\u02be enth\u00e4lt wahrscheinlich die \u00e4lteste datierbare Beschreibung des Gesamtwortlauts des Korantextes."],"bullets":["Diskussion von Lesarten anhand grammatischer Kriterien und altarabischer Dichtung","Beschreibung des koranischen Wortlautes im Kit\u0101b al-Ma\u02bf\u0101n\u012b des al-Farr\u0101\u02be (gest. 822)","Lesarten als Textvarianten aufgrund des unterschiedlichen Sprachgebrauchs der arabischen St\u00e4mme"]},{"title":"Koranwissenschaftliche Kompendien","paragraphs":["Seit dem fr\u00fchen 9. Jahrhundert sind eigene Darstellungen zur Koranwissenschaft \u00fcberliefert, die u.a. Lesarten erw\u00e4hnen. Das Buch al-\u01e6\u0101mi\u02bf des \u02bfAbdall\u0101h b. Wahb (gest. 812), enth\u00e4lt Lesarten zu rund 45 Versen. Das Buch der \u201eVorz\u00fcge des Korans\u201c (fa\u1e0d\u0101\u02beil al-qur\u02be\u0101n) des Ab\u016b \u02bfUbaid (gest. 838) enth\u00e4lt ein eigenes Kapitel zu den unterschiedlichen Lesarten. Das \u201eBuch der Kodizes\u201c (kit\u0101b al-ma\u1e63\u0101\u1e25if) des Ibn D\u0101w\u016bd as-Si\u01e7ist\u0101n\u012b (gest. 929) gibt Auskunft \u00fcber verschiedene Schreibweisen und die koranische Orthographie und erw\u00e4hnt dabei unterschiedliche Lesarten."],"bullets":["Alle Lesarten aus dem koranwissenschaftlichen Kompendium des Ibn Wahb (gest. 812)","Alle Lesarten aus dem Fa\u1e0d\u0101\u02beil al-Qur\u02be\u0101n des Ab\u016b \u02bfUbaid (gest. 838)"]},{"image":"lesarten\/LesartenKanonisch.jpg","title":"Kanonische und au\u00dferkanonische Lesarten","paragraphs":["Seit der Zeit, in der Ibn Mu\u01e7\u0101hid (gest. 936) unterst\u00fctzt durch den Bagdader Wezir Ibn Muqla sieben kanonische Lesarten gegen erheblichen Widerstand der Gelehrten durchsetzen konnte, sind zahlreiche Lesartenwerke zusammengestellt worden. Eines der ersten ist Kit\u0101b as-sab\u02bfa fi l-qir\u0101\u02be\u0101t [\u201eBuch der Sieben unter den Lesarten\u201c] des Bagdader Gelehrten Ibn Mu\u01e7\u0101hid. Sein System der sieben Lesarten, auf den Lesarten von sieben Autorit\u00e4ten aufbauend, wurde von ad-D\u0101n\u012b (gest. 1053) vereinfacht und gilt bis heute als Grundlage der sieben Lesarten. Wichtige Zusammenstellungen \u201eau\u00dferkanonischer Lesarten\u201c sind uns von Ibn \u1e2a\u0101lawaih (gest. 981) und Ibn \u01e6inn\u012b (gest. 1002) \u00fcberliefert."],"bullets":["Die Sieben kanonischen Lesarten nach Ibn Mu\u01e7\u0101hid (gest. 936) ","Au\u00dferkanonische Lesarten bei Ibn \u1e2a\u0101lawaih (gest. 981) und Ibn \u01e6inn\u012b (gest. 1002)","S\u00e4mtliche Lesarten aus dem Mu\u1e25tasab des Ibn \u01e6inn\u012b","Die Sieben Lesarten mit jeweils zwei \u00dcberlieferern nach ad-D\u0101n\u012b (gest. 1053)"]},{"image":"lesarten\/LesartenKlassischeExegese.jpg","title":"Klassische Koranexegese","paragraphs":["<p>Bisher wurden von den Werken der klassischen Koranexegese vor allem der Korankommentar des a\u1e6d-\u1e6cabar\u012b (gest. 923) ausgewertet. Von anderen Werken der Koranexegese wurden lediglich Stickproben zu den Suren 1, 9, 19, 20 und 112 in den Katalog aufgenommen (Ab\u016b \u1e24ayy\u0101n al-Andalus\u012b (gest. 1255), az-Zama\u1e2b\u0161ar\u012bs (gest. 1144) al-Ka\u0161\u0161\u0101f, \r\nar-R\u0101z\u012bs (gest. 1220) <i>Maf\u0101t\u012b\u1e25 al-\u0120aib<\/i> und al-Qur\u1e6dub\u012bs (gest. 1273) <i>al-\u01e6\u0101mi\u02bf<\/i>). Die Lesarten aus dem Tafs\u012br des a\u1e6d-\u1e6cabar\u012b hat Edin Mahmutovic auf der Grundlage des Projekts \u201eLinked Open Tafs\u012br\u201c (Projektleitung \u00d6mer \u00d6zsoy, Serdar Kurnaz, Ya\u015far Sar\u0131kaya) ausgearbeitet. \u201eLinked Open Tafs\u012br\u201c hatte zum Ziel den Korankommentar des a\u1e6d-\u1e6cabar\u012b vollst\u00e4ndig zu digitalisieren, unter der Verwendung von Tags f\u00fcr die einzelnen exegetischen Kategorien. Im Bereich der Lesarten sind Leser und andere Referenzen f\u00fcr Lesarten mit einem entsprechenden Begriff markiert. Das bedeutet, dass namentlich erw\u00e4hnte (und nicht genannte) Referenzen entsprechend markiert, wobei auch regionale Gruppen oder Dialekte verschiedener St\u00e4mme ausgewiesen sind. Textvarianten sind durch unterschiedlichen Textbausteine mit klaren Er\u00f6rterungen markiert, wodurch z.B. Varianten bei denen Buchstaben (oder W\u00f6rter) hinzugef\u00fcgt wurden, W\u00f6rter vertauscht wurden oder das Schriftbild sich generell ver\u00e4ndert hat, leichter aufzufinden sind. Dadurch lassen sich Zusammenh\u00e4nge feststellen, die auf die Situation der Koranlesarten zur Zeit der Kanonisierung und der nachfolgenden Zeit hinweisen. Die Lesarten des a\u1e6d-\u1e6cabar\u012b, die im vorliegenden Lesartenkatalog vollst\u00e4ndig erfasst sind, geben uns so ein Bild der Textvarianten, wie sie in Mekka, Medina, Basra, Damaskus (Homs) und Kufa unmittelbar vor der Kanonisierung durch Ibn Mu\u01e7\u0101hid \u00fcblich waren. (E. Mahmutovic)<br><\/p>"],"bullets":["Lesarten aus dem Korankommentar des a\u1e6d-\u1e6cabar\u012b (gest. 923)","Lesarten zu den Suren 1, 9, 19, 20 und 112 aus al-Ba\u1e25r al-mu\u1e25\u012b\u1e6d des Ab\u016b \u1e24ayy\u0101n al-Andalus\u012b (gest. 1255)"]},{"image":"lesarten\/LesartenSchiitisch.jpg","title":"Lesarten aus schiitischen Exegesewerken","paragraphs":["Bisher wurden ausschlie\u00dflich Lesartenwerke der \u201esunnitischen\u201c Tradition f\u00fcr die Datenbank ausgewertet, obwohl auch schiitische Lesartenwerke wie beispielsweise das Buch der Lesarten des as-Sayy\u0101r\u012b (gest. 940) fr\u00fche Lesarten zu enthalten scheint. Auch andere schiitische Exegesewerke der vorbujidischen Epoche, wie die Korankommentare des Fur\u0101t al-K\u016bf\u012b (gest. ca. 922), al-Kulain\u012b (gest. 941), al-Qumm\u012b (gest. nach 919) und a\u1e6d-\u1e6c\u016bs\u012b (gest. 1067) sollen in Zukunft einbezogen werden. Viele schiitische Lesarten enthalten Erg\u00e4nzungen und Erweiterungen, insbesondere Nennungen von Personen aus der Familie des Propheten, im Verh\u00e4ltnis zum heutigen Text. Verglichen mit den \u00fcbrigen Lesarten \u00e4hneln viele Lesarten der schiitischen Tradition manchen au\u00dferkanonischen Lesarten der Prophetengef\u00e4hrten \u02bfAbdall\u0101h b. Mas\u02bf\u016bd und Ubayy b. Ka\u02bfb, die Texterweiterungen enthalten und manchmal erkl\u00e4rende Zus\u00e4tze in den Text einbringen. Ab 2016 sollen ausgew\u00e4hlte schiitische Quellenwerke in die Lesartenenzyklop\u00e4die aufgenommen werden, insbesondere aus dem Lesartenwerk des as-Sayy\u0101r\u012b (gest. 940) Kit\u0101b al-qir\u0101\u02be\u0101t (herausgegeben von Etan Kohlberg und Mohammed A. Amir-Moezzi)."],"bullets":["Koranlesarten im Spiegel fr\u00fcher schiitischer Werke","Unterschiedliches Verst\u00e4ndnis des Begriffs qir\u0101\u02bea bei Sunniten und Schiiten","Die Auswertung schiitischer Quellen kann im laufenden Vorhaben leider nicht mehr durchgef\u00fchrt werden."]}],"metadata":{"url":"https:\/\/api.corpuscoranicum.de\/api\/website\/language\/de\/info\/reading-variants-overview","language":"de"}}