{"data":[{"title":"Forschungsgegenstand","paragraphs":["Corpus Coranicum holt den lange vers\u00e4umten Schritt der systematischen Auswertung der \u00e4ltesten Koranhandschriften nach und stellt ihr die Dokumentation der Koranlesarten im islamischen Schrifttum zur Seite. Erstmals wird auch systematisch den Echos \u00e4lterer Traditionen im Koran nachgegangen, indem theologische, poetische und epigraphische Zeugnisse der Umweltkultur in ihrer Originalsprache zug\u00e4nglich gemacht werden (Datenbank \u201eTexte aus der Umwelt des Korans\u201c) Der Kommentar verfolgt das Ziel, den Text des Korans \u2013 als Niederschrift der vom Propheten zwischen ca. 610 und 632 in Mekka und Medina verk\u00fcndeten Botschaften verstanden \u2013 \u201edynamisch\u201c, d.h. der Chronologie ihrer Entstehung folgend, in seinem Wachstum und der Entwicklung seiner Diskurse verst\u00e4ndlich zu machen. Der literaturwissenschaftlich an der Biblistik orientierte Kommentar versucht dabei, die Masse von j\u00fcdischen, christlichen, altarabischen und sonstigen Traditionen einzubeziehen, die in der kulturellen Umwelt der Zeit in Umlauf waren. Sie sind in der Datenbank \u201eTexte aus der Umwelt des Korans\u201c einsehbar. Die enge Beziehung des Korans zu zahlreichen Umwelttexten und noch mehr der koranische Einsatz von aus diesen Texten ersichtlichen Argumentationsstrategien f\u00fchrt uns vor Augen, dass der Koran \u2013 in seinem Entstehungskontext betrachtet \u2013 nur als ein Text der Sp\u00e4tantike gedacht werden kann."]},{"title":"Methoden und Herangehensweisen","paragraphs":["<p>Grundlagenforschung: Da f\u00fcr die historische Erforschung des Korantextes keine Arbeitsinstrumente wie Handschriften\u00fcbersichten, Datierungsrichtlinien, Zettelk\u00e4sten o.\u00e4. vorliegen, musste das Vorhaben zun\u00e4chst eine eigene textgeschichtliche Dokumentation aufbauen. Zur Auswertung der rund 12.000 Handschriftenphotos (Agfa-Film) aus dem Gotthelf-Bergstr\u00e4\u00dfer-Photoarchiv wurde eine Datenbank im SQL-Format (\u201eManuscripta Coranica\u201c) aufgebaut, die Handschriftendaten und Transliterationen speichert. Um digital die Zeichen und Buchstaben des enthaltenen Textes aufzeichnen zu k\u00f6nnen, wurde ein eigenes Transliterationssystem (in XML) und ein spezieller Zeichensatz \u201eCoranica\u201c erstellt. Corpus Coranicum hat den ersten Katalog von Koranhandschriften aufgebaut, der den systematischen, digitalen Standards der TEI (Text Encoding Initiative) und des Unicode-Konsortiums entspricht.\r\n\r\n                                   <\/p><p class=\"mt-7\">Naturwissenschaftliche Ans\u00e4tze: Um die Datierung von Koranhandschriften besser zu bestimmen, hat Corpus Coranicum mehr als 100 Radiokarbonmessungen von Koranhandschriften aus Sammlungen in Berlin, Leiden, M\u00fcnchen, Sanaa, Tbilissi, T\u00fcbingen u.a. durchgef\u00fchrt (in Zusammenarbeit mit Tobias J. Jocham). Naturwissenschaftliche Forschung wird auch bei der Tintenanalyse angewendet, so z.B. im deutsch-franz\u00f6sischen Vorhaben \u201ePaleocoran\u201c (ANR\/DFG). Zusammen mit dem Bundesamt f\u00fcr Materialforschung (Berlin) ist ein eigener Drittmittelforschungsantrag zur naturwissenschaftlichen Tintenanalyse in Vorbereitung. Im Bereich der Lesarten (qir\u0101\u02be\u0101t) hat das Vorhaben eine historische Dokumentation von Lesarten aufgebaut, die in fr\u00fchen islamischen Werken verzeichneten Textvarianten digital erschlie\u00dft und darstellt. \u00a0 \u00a0\u00a0                                              Digitale Strukturen: Um die verschiedenen Sprachen aus den Texten der Umwelt des Korans (Hebr\u00e4isch, Syrisch, Alts\u00fcdarabisch, Alt\u00e4thiopisch u.a.) digital darstellen zu k\u00f6nnen, wurde ein eigener Font \u201eCoranica\u201c entwickelt. F\u00fcr die arabische Schrift selbst stellt \u201eCoranica\u201c ein Novum dar, da der Font alle Zeichen der heute ma\u00dfgeblichen Kairiner Druckausgabe und s\u00e4mtliche koranspezifischen Zeichen der nordafrikanischen Druckausgaben des Korans bereitstellt. \u201eCoranica\u201c kommt ebenfalls zum Einsatz bei der richtigen Darstellung aller f\u00fcr die Transliteration der \u00e4ltesten Handschriften ben\u00f6tigten Zeichen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Literaturwissenschaftliche Methoden: Der Kommentar orientiert sich an der Methodenfolge der Biblistik, indem er die Sure zun\u00e4chst auf ihre Einheitlichkeit bzw. ihr graduelles Wachstum \u2013 \u201eLiterarkritik\u201c \u2013 ihre wiederkehrenden Strukturelemente \u2013 Formkritik \u2013 und ihre Komposition \u2013 Redaktionskritik \u2013 hin untersucht. Darauf aufbauend werden die strukturbildenden Versgruppen auf ihre semantische Aussage hin analysiert \u2013 beides Vorarbeiten f\u00fcr die Ermittlung der chronologischen Position der Sure im Gesamtkorpus. Schlie\u00dflich werden die semantischen Inhalte in den Kontext der \u00e4lteren Traditionen gestellt und auf ihre hermeneutischen Strategien der Aneignung und Substitution hin gepr\u00fcft.<\/p>"]},{"title":"Textgeschichtliche Forschung","subtitle":"Was wird zur Textgeschichte erforscht?","paragraphs":["Gest\u00fctzt auf pal\u00e4ographische und naturwissenschaftliche Datierungen analysiert Corpus Coranicum die fr\u00fchen Zeugnisse zur Geschichte des Korans. Der arabische Text der \u00e4ltesten Handschriften aus Kairo, Damaskus und Sanaa wird in Transliteration unter Angabe der Differenz zur Kairiner Druckausgabe von 1924 in der online-Datenbank angezeigt. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig wurden dabei Handschriften in \u1e25i\u01e7\u0101z\u012b-Schrift ausgewertet, aber auch einige kufische Handschriften (unterst\u00fctzt durch das deutsch-franz\u00f6sische Kooperationsprojekt \u201ePaleocoran\u201c gef\u00f6rdert von DFG und ANR). Durch die vorliegende, erstmalig systematische Synthese der \u00e4ltesten Handschriften werden die orthographischen Ver\u00e4nderungen erkennbar, die der Text durchlaufen hat. Bislang scheinen die ausgewerteten Handschriften von ihrer Bedeutung her in groben Z\u00fcgen dem heutigen Text zu entsprechen, wobei sich stets kleinere Unterschiede in der Schreibung und der grammatischen Form (morphologischer Typ, Kasusendungen usw.) aufzeigen lassen.  Der genaue Wortlaut der alten Handschriften unterscheidet sich - soweit dieser aufgrund der fehlenden Punktierung in den Handschriften bestimmt werden kann \u2013 meistens von den heute verwendeten Lesarten des Textes, die erst durch den Bagdader Gelehrten Ibn Mu\u01e7\u0101hid (gest. 936) festgelegt worden sind (\"Kanon der sieben Lesarten\"). Handschriften und Nachrichten von verschiedenen Koranlesarten in der arabischen Gelehrtenliteratur lassen uns die historische Entwicklung des Textes in beiden \u00dcberlieferungsstr\u00e4ngen in den ersten vier Jahrhunderten erkennen. Das Vorhaben greift bei der Beschreibung der \u201eschriftlichen\u201c und der \u201em\u00fcndlichen\u201c (oder richtiger \"der gelehrten\") Tradition mit digitalen Instrumenten den Plan zu einem Apparatus Criticus zum Koran auf, den 1929\/1930 der M\u00fcnchener Arabist Gotthelf Bergstr\u00e4\u00dfer (1886-1933) entwickelt hatte. Nach seinem Tod hatte Bergstr\u00e4\u00dfers Nachfolger Otto Pretzl (1891-1941) bis zum 2. Weltkrieg die Arbeit der Korankommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften weitergef\u00fchrt, allerdings keine Handschriften publiziert."]},{"title":"Kommentar zum Koran","subtitle":"Was erforscht der Literaturwissenschaftlich-chronologische Kommentar?","paragraphs":["<p>Der historisch-literaturwissenschaftliche Kommentar ist innerhalb der westlichen Forschung der erste seiner Art. Anders als die bisherigen Kommentare (exemplarisch: R. Paret <font color=\"#186387\"><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/MBDIXNKX\" target=\"_blank\">1971<\/a>, <sup>2<\/sup><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/X9T7RF7R\" zotero=\"X9T7RF7R\" class=\"zotero\">1977<\/a><\/font>) konzentriert er sich nicht auf die in der Forschung bereits problematisierten Einzelverse, sondern gelangt \u00fcber die in der Biblistik etablierten Schritte der Literarkritik, Formkritik und Redaktionskritik zu einer historisch und hermeneutisch gesicherten Auslegung des Textes als ein Zeugnis der Sp\u00e4tantike. Die bereits in den \u00e4ltesten Kodizes respektierte und durch Kompositionsstudien (A. Neuwirth <font color=\"#186387\"><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/4WEWN8NZ\" zotero=\"4WEWN8NZ\" class=\"zotero\">1981<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/AB496U97\" zotero=\"AB496U97\" class=\"zotero\"><sup>2<\/sup>2007 <\/a><\/font>= SKMS ) best\u00e4tigte Einheit \u201eSure\u201c wird als Untersuchungseinheit zugrunde gelegt; das Projekt geht also nicht von Einzelversen, sondern von der Sure als dem medialen Format der Einzelverk\u00fcndigungen des Propheten aus. Der Kommentar folgt dabei den Basisdaten der islamisch \u00fcberlieferten Genese-Narrative, die den Koran als Verk\u00fcndigung des Propheten Muhammad an eine werdende Gemeinde in Mekka (610-622) und dann in Medina (622-632) beschreibt. \u00dcber den Einschnitt der Hidjra nach Medina hinaus, der eine unverkennbare Wende der Verk\u00fcndigung einleitete, lassen sich auch f\u00fcr Mekka weitere Entwicklungsperioden unterscheiden. Das Projekt folgt im Groben Theodor N\u00f6ldekes (<a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/2B3RP55S\">T. N\u00f6ldeke 1860<\/a><font color=\"#186387\"><\/font> und <a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/ZE463T7Z\">T. N\u00f6ldeke\/ F. Schwally 1909<\/a><font color=\"#186387\"><\/font> =&nbsp;GdQ<sup>1<\/sup> und&nbsp;GdQ<sup>2<\/sup>, Bd. 1)&nbsp; Unterteilung der mekkanischen Suren in drei Perioden, kann diese Periodisierung aber durch formkritische und hermeneutische Kriterien verfeinern. Dabei ergibt sich das Bild eines w\u00e4hrend der beiden Entstehungsjahrzehnte stetig anwachsenden Textes, dessen Wachstumsprozess sich aber nicht nur im Hinzukommen neuer Suren manifestiert, sondern ebenso in der nachtr\u00e4glichen Erweiterung von bereits vorgetragenen Suren. Man kann hier eine Art \u201einnerer Targumisierung\u201c, einer exegetischen Vervollst\u00e4ndigung einzelner Verk\u00fcndigungen, beobachten, die im Licht von neuen Einsichten eine neue Lekt\u00fcre erforderten, ohne dass aber bereits kommunizierte Texte ersetzt wurden. Diese Zickzack-Bewegung der Verk\u00fcndigung liefert ein starkes Argument f\u00fcr die Historizit\u00e4t des Verk\u00fcndigungsereignisses als Nukleus der Korangenese \u2013 gegen die Annahme einer Kompilation durch anonyme Redaktoren. Der Kommentar ist technisch an biblistischen Modellen orientiert, er basiert auf einem Abschnitt Literarkritik, gefolgt von einer Kompositionsanalyse der Suren, auf die als Herzst\u00fcck ein ausf\u00fchrlicher Vers-zu-Vers-Kommentar folgt. Drei abschlie\u00dfende Sektionen ziehen daraus texthistorisch, theologisch und historisch Schl\u00fcsse: zun\u00e4chst eine Begr\u00fcndung der im Projekt getroffenen chronologischen Einordnung der Sure, die das jeweils Neue einer Sure herausstellt, dann eine Deutung der mit der Sure gegebenen Verk\u00fcndigung im Licht der ermittelten Textsorten und der Intertexte und schlie\u00dflich eine Analyse der Sure auf ihre Kommunikationsprozesse hin. Obwohl der Kommentar \u201ehistorisch-kritisch\u201c intendiert ist, d.h. sowohl die literarischen Vorl\u00e4ufer (Stichwort \u201eIntertextualit\u00e4t\u201c) als auch die innerkoranische Diachronie (Stichwort \u201eChronologie\u201c) ernst nimmt, beansprucht er doch gleichzeitig - angesichts der formkritisch orientierten Untersuchungen - im kursorischen Vers-zu-Vers-Kommentar das Pr\u00e4dikat eines literaturwissenschaftlichen Kommentars.<\/p>"]},{"title":"Texte aus der Umwelt des Korans","subtitle":"Welche \u201eTexte aus der Umwelt des Korans\u201c (TUK) werden gesammelt und ausgewertet?","paragraphs":["Um den historischen Kontext des Korans zu beleuchten, macht die Datenbank \"Texte aus der Umwelt des Korans\" altarabische, alt\u00e4thiopische (Ge'ez), alts\u00fcdarabische, griechische, hebr\u00e4ische und syrische Texte zug\u00e4nglich, die Themen, Begriffe und Inhalte aufweisen, die im Korantext ein Echo gefunden zu haben scheinen. Dabei kann es nicht um die Ermittlung von schriftlichen \u201eQuellen\u201c gehen, vielmehr sind viele der hier zusammengetragenen Referenztexte als Zeugnisse der m\u00fcndlich \u00fcberlieferten \u201einterpreted Bible\u201c (Sidney Griffith 2013) zu betrachten, die als allgemeines Bildungsgut der Sp\u00e4tantike im Umlauf gewesen sein d\u00fcrften. Die Datenbankeintr\u00e4ge beruhen einerseits auf der Auswertung von Sekund\u00e4rliteratur, wie Josef Horovitzs \"Koranische Untersuchungen\" (1926) und Heinrichs Speyers \"Die Biblischen Erz\u00e4hlungen im Qoran\" (1931) und weiterer koranwissenschaftlicher Forschungsliteratur. Diese Best\u00e4nde wurden jedoch durch eigene Kontextforschung des Corpus Coranicum ma\u00dfgeblich erweitert, die sich bisher vor allem auf syrische Liturgietexte, die Schriften Jakob von Sarugs (gest. 451) und Ephrems des Syrers (gest. 373), alt\u00e4thiopische Schriften wie das Henochbuch und das Buch der Jubil\u00e4en konzentrierte. Au\u00dferdem werden einige alts\u00fcdarabische Inschriften in der Datenbank erfasst. Diese Kontextualisierung von Koran und \u00e4lteren Traditionen ist als solche nicht neu. Doch verfolgte die bisherige Forschung mit ihrer Hinzuziehung sp\u00e4tantiker Traditionen  zumeist das Ziel, den Korantext als Zeugnis der Rezeption des \u00e4lteren Schrifttums und so als von konkreten j\u00fcdisch-christlichen Texten abh\u00e4ngig darzustellen. Corpus Coranicum verfolgt hier eine andere Linie: Erst vor dem Hintergrund der \u201eTexte aus der Umwelt des Korans\u201c kann die theologische Ausrichtung und die diskursive Dynamik erkannt werden, die vor dem Hintergrund \u00e4lterer Traditionen erreicht wird. Es werden \u00c4hnlichkeiten und Unterschiede zwischen Text und Kontext sichtbar, vor deren Hintergrund  die neue theologische Aussage des Korans erst erkennbar wird. Mit der Dokumentation der Umwelttexte wird der Versuch unternommen, den Wissenshorizont der werdenden Gemeinde zu rekonstruieren, den sie mit dem Propheten geteilt haben muss."],"links":[{"url":"\/verse-navigator\/sura\/7\/verse\/59\/intertexts\/25","add_language":true,"text":"Kommentar zum Buch Genesis und Exodus 6:8-10"},{"url":"\/verse-navigator\/sura\/3\/verse\/49\/intertexts\/458","add_language":true,"text":"Kindheitsevangelium des Thomas 2:1-5 "},{"url":"\/verse-navigator\/sura\/37\/verse\/102\/intertexts\/1239","add_language":true,"text":"Katenen Fragmente zu Genesis"},{"url":"\/verse-navigator\/sura\/97\/verse\/1\/intertexts\/150","add_language":true,"text":"Hymnen auf die Geburt (De Nativitate) 1:84-92"}]},{"title":"Das Irankoran-Projekt","paragraphs":["<p>Das Irankoran-Projekt (2017\u20132020) unter der Leitung von Dr. Ali Aghaei wurde an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) mit finanzieller Unterst\u00fctzung des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) ins Leben gerufen. Das Hauptziel des Projekts bestand darin, alte Koranmanuskripte, die in \u00f6ffentlichen und privaten Museen, Bibliotheken und Sammlungen im Iran aufbewahrt werden, sowie die entsprechenden weltweit verteilten Fragmente, digital zu erforschen und zu ver\u00f6ffentlichen. Irankoran erg\u00e4nzte das bestehende Corpus-Coranicum-Projekt, das seit 2009 einen umfassenden Online-Katalog der fr\u00fchesten Koranmanuskripte bereitstellt, die haupts\u00e4chlich in europ\u00e4ischen und amerikanischen Bibliotheken und Museen aufbewahrt werden.<\/p><p>Im Rahmen des Irankoran-Projekts wurden Koranhandschriften aus dem Nationalmuseum des Iran (NMI) digitalisiert, katalogisiert und einer philologischen Analyse unterzogen. Diese Manuskripte wurden erstmals \u00fcber den <font color=\"#186387\"><a href=\"http:\/\/irankoran.de\">\u201eBibliotheca Coranica Iranica\u201c-Onlinekatalog<\/a><\/font> digital zug\u00e4nglich gemacht. Das Projekt umfasste eine enge Zusammenarbeit mit iranischen IT-Spezialisten, um die digitale Plattform einzurichten. F\u00fcr die ca. 9.000 digitalen Bilder, die im Rahmen des Projekts erstellt und erworben wurden, wurden Vertr\u00e4ge abgeschlossen, um sicherzustellen, dass die Bilder \u00fcber Corpus Coranicum (BBAW) und Irankoran ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnen. Alle Koranmanuskripte wurden von jungen iranischen Forschern transkribiert, wobei verschiedene Lesbarkeitsstufen, \u00c4nderungen, L\u00f6schungen und Variationen in der Rechtschreibung des Korantextes erfasst wurden.<br><\/p><p>Irankoran war ein interdisziplin\u00e4res Forschungsprojekt, das philologische Analysen mit wissenschaftlichen Methoden, darunter Radiokarbon-Datierung, kombinierte. Es war das erste Projekt, das eine wissenschaftliche Datierung von Koranmanuskripten im Iran durchf\u00fchrte. Es wurden Proben von 14 Dokumenten entnommen, die im Nationalmuseum des Iran und in der Zentralbibliothek der Universit\u00e4t Teheran aufbewahrt werden. Diese Proben wurden in Zusammenarbeit mit der ETH Z\u00fcrich, einem Partnerlabor von Corpus Coranicum, analysiert. Die Radiokarbon-Datierung lieferte bahnbrechende Erkenntnisse f\u00fcr die Datierung von Manuskripten aus dem Nahen Osten im Allgemeinen und Koranmanuskripten im kufischen Schreibstil im Besonderen. Die Ergebnisse dieser Analysen wurden in zwei Artikeln ver\u00f6ffentlicht: einer in der Zeitschrift <i>Radiocarbon <\/i>(<font color=\"#186387\"><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/322F85SA\">Aghaei et al. 2023<\/a><\/font>) und einer im <i>Journal of Iranian National Museum<\/i> (<font color=\"#186387\"><a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/corpuscoranicum_pub\/items\/itemKey\/TTGWFLSU\">Aghaei\/Marx 2021<\/a><\/font>).<br><\/p><p>Aufbauend auf den gesammelten Daten wurde f\u00fcr jedes Manuskript eine detaillierte philologische Analyse durchgef\u00fchrt, die auf den digital-philologischen Methoden von Corpus Coranicum basiert und diese verbessert. Diese Analyse umfasst (a) Kodikologie, (b) Pal\u00e4ographie, (c) wissenschaftliche Datierung und (d) Studien zu abweichenden Schreibweisen und Lesarten und bietet neue Einblicke in die Textgeschichte des Korans, wie sie sich in den im Nationalmuseum des Iran aufbewahrten Manuskripten widerspiegelt. Die digitale Ver\u00f6ffentlichung des Projekts, die weiterhin online zug\u00e4nglich ist, wird durch digitale Tools erg\u00e4nzt, die im Rahmen von Irankoran entwickelt wurden. Diese Tools, darunter ein innovativer Transliterationseditor, wurden in das Corpus-Coranicum-Projekt integriert und werden dort kontinuierlich verbessert.<br><\/p><p>Das Irankoran-Projekt tr\u00e4gt zur historischen Erforschung des Korantextes bei, indem es Manuskripte aus iranischen Sammlungen systematisch analysiert. Dieses Quellenmaterial bietet eine neue Perspektive auf die Textgeschichte des Korans, da es das erste Mal ist, dass Manuskripte aus der \u00f6stlichen islamischen Welt systematisch untersucht werden.<\/p>"]},{"title":"Nationalbibliothek Katars","paragraphs":["<p>In Kooperation mit der Qatar National Library (Doha) wurden 84 \r\nKoranfragmente (Pergament und Papier) katalogisiert und im digitalen \r\nKatalog \"Manuscripta Coranica\" publiziert (2020\/21). An dem Projekt \r\nwaren Marcus Fraser (London), Ali Aghaei (Berlin\/Paderborn) und Tobias \r\nJ. Jocham (Berlin) beteiligt. Die angezeigten Transliterationen haben  \r\nZahra Mollaei, Mojgan Azimian, Azam, Elaheh und Rahele Shahpasand \r\nerstellt. \r\n\r\n<\/p><p>Beispiele: \r\n<font color=\"#186387\"><a href=\"https:\/\/corpuscoranicum.de\/de\/manuscripts\/1418\/page\/1r\" target=\"_blank\">HC.MS.2017.0010<\/a><\/>, <a href=\"https:\/\/corpuscoranicum.de\/de\/manuscripts\/1458\/page\/1v\" target=\"_blank\">HC.MS.03223<\/a>, <a href=\"https:\/\/corpuscoranicum.de\/de\/manuscripts\/1457\/page\/1r\" target=\"_blank\">HC.MS.03222<\/a>, <a href=\"https:\/\/corpuscoranicum.de\/de\/manuscripts\/1361\/page\/1r\" target=\"_blank\">HC.MS.03146<\/a>, <a href=\"https:\/\/corpuscoranicum.de\/de\/manuscripts\/1411\/page\/1r\" target=\"_blank\">HC.MS.03165<\/a>\r\nand <a href=\"https:\/\/corpuscoranicum.de\/de\/manuscripts\/1420\/page\/1r\" target=\"_blank\">HC.MS.03174<\/a>.<\/p>"]},{"title":"Sanaaprojekt","paragraphs":["In einem Kooperationsprojekt zwischen der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin (Christoph Rauch) und dem Corpus Coranicum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (Michael Marx) wurden Mikrofilme der Sanaa Qur\u02be\u0101n Manuskripte (D\u0101r al-ma\u1e2b\u1e6d\u016b\u1e6d\u0101t) digitalisiert, die derzeit zur Ver\u00f6ffentlichung vorbereitet werden. Das Programm \u201eNeustart Kultur\u201c des Bundesministeriums f\u00fcr Kultur und Medien hat gro\u00dfz\u00fcgig ein Team (Juli 2021\u2013Januar 2022) bestehend aus Tobias J. Jocham, Manssur Karamzadeh und Emaan Safah finanziert, um die Digitalisierung und vorl\u00e4ufige Katalogisierung durchzuf\u00fchren. Alle Mikrofilme wurden im Rahmen des vom Ausw\u00e4rtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland finanzierten Projekts \u201eRestaurierung und Katalogisierung von arabischen Handschriften\u201c (1981\u20131989 im Programm \u201eKulturhilfe\u201c) hergestellt. Es werden mehr als 20.000 Schwarz-Wei\u00df-Abbildungen von insgesamt 930 Pergament-Qur\u02be\u0101ns digital zug\u00e4nglich gemacht. Neben den Mikrofilmen werden auch mehr als 2.000 Farbdias und Ektachromdias von ausgew\u00e4hlten Seiten, die von Dr. Hans-Caspar Graf von Bothmer (Saarbr\u00fccken) hergestellt wurden, f\u00fcr den digitalen Zugriff vorbereitet. Von Bothmer, einer der am deutschen Sanaa-Projekt beteiligten Spezialisten, hatte sich gew\u00fcnscht, dieses einzigartige Quellenmaterial zug\u00e4nglich zu machen und \u00fcbergab es 2019 an die Staatsbibliothek zu Berlin. Ab Juli 2022 werden alle Sanaa-Bilder (Dias und Mikrofilme) schrittweise \u00fcber \u201eQalamos\u201c, das neue Portal der orientalischen Handschriften in Deutschland (www.qalamos.net) und \u201eManuscripta Coranica\u201c (Corpus Coranicum) digital zug\u00e4nglich gemacht. Das Kultusministerium in Sanaa hat die Initiative der Staatsbibliothek zu Berlin und der Berliner Akademie begr\u00fc\u00dft, auch im Hinblick auf die Einrichtung eines Folgeprojekts zur Konservierung und Katalogisierung des fr\u00fchjemenitischen Qur\u02be\u0101ns zwischen Berlin und Sanaa."]},{"title":"Bibliographie","paragraphs":["(in Bearbeitung)"]},{"title":"Langzeitarchivierung: Preservation of Cultural Heritage","paragraphs":["(in Bearbeitung)"]}],"metadata":{"url":"https:\/\/api.corpuscoranicum.de\/api\/website\/language\/de\/info\/research","language":"de"}}